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Unmenschliche Behandlung in der Haft – Der iranische Student Ahmed Batebi
Juli 1999 Der Student der Filmproduktion an der Teheraner Universität wurde bei den Studentenunruhen im Juli 1999 in Teheran verhaftet, als er mit Genehmigung der Hochschule einen Dokumentarfilm über Drogen und soziale Probleme drehen wollte. Er wurde bei den Unruhen fotografiert, als er ein blutiges T-Shirt seines Kommilitonen hochhielt. Dieses Foto wurde am 13.7.01 im Londoner „Economist“ veröffentlicht. Im Gefängnis wurde er grausam gefoltert. Laut eines offiziellen Berichts der Ordnungskräfte wurde er zur Auspeitschung verurteilt und das Urteil in seiner Zelle vollstreckt.
März 2000 Im März 2000 schrieb er einen offenen Brief an das oberste Gericht, in dem er die unmenschlichen Haftbedingungen beschrieb und schwere Vorwürfe gegen die Justizbehörden und die Sicherheitskräfte erhob. Dieser Brief gelangte in die Öffentlichkeit und führte dazu, dass er längere Zeit in Einzelhaft verbringen musste. Er berichtete: Soldaten fesselten seine Hände an Abflussrohren und schlugen ihn mit Militärstiefeln auf Kopf und Bauch und verlangten, dass er ein Geständnis ablegen solle. Am nächsten Tag warfen sie ihn auf den Boden, stellten sich auf seinen Nacken und schnitten ihm die Haare ab und Teile seiner Kopfhaut auch. Sie drückten seinen Kopf so lange in ein Toilettenbecken voller Exkremente, bis er diese hinunterwürgte. Tagelang durfte er sein Gesicht nicht waschen. Sie schlugen ihn bis zur Bewusstlosigkeit. Als er wieder bei Bewusstsein war, forderten sie wieder ein Geständnis von ihm. Als er das verweigerte, brachten sie ihn in einen anderen Raum und hingen ihn mit gefesselten Händen am Fensterkreuz auf. Sie drohten mehrmals, ihn zu töten und seine Familie für lange Zeit ins Gefängnis zu werfen. Aus Angst, dass sie ihre Drohungen gegen ihn und seine Familie wahr machen würden, unterschrieb er ein „Geständnis“. Nach einem unfairen Geheimprozess ohne Rechtsbeistand vor einem Revolutionsgericht wurde er zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde später in eine 15-jährige Gefängnisstrafe umgewandelt. Eine Untersuchung der Foltervorwürfe ist nicht bekannt. Sein Gesundheitszustand ist sehr schlecht und angemessene ärztliche Hilfe wurde ihm verweigert
November 2001 Aus Protest gegen die unmenschlichen Haftbedingungen trat er im November 2001 in Hungerstreik
August 2002 Im August 2002 erhielt er, wahrscheinlich wegen seines schlechten Gesundheitszustandes, 4 Wochen Hafturlaub.
Februar 2003 Am 4.2.2003 schrieb er, zusammen mit anderen gefangenen Studenten, einen offenen Brief an die Behörden, in dem sie sich auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte berufen und sich für Gewaltfreiheit und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau einsetzen. Sie verurteilen Despotismus und Totalitarismus und sagen: “Wir haben endlose Folter ertragen und mussten mit ansehen, wie unsere Freunde hingerichtet wurden.“
Oktober 2003 Am 20. Oktober 2003 erhielt er auf Grund seines schlechten Gesundheitszustandes einen weiteren Hafturlaub bis zum 10. November. Am 8. November traf er sich mit einem UN Berichterstatter, der zu Besuch im Iran weilte. Anschließend wollte er mit Freunden an einem Fest in der Universität Teheran teilnehmen. Als er auf seinem Mobiltelefon nicht erreichbar war, versuchten seine Familie und Freunde vergeblich seinen Aufenthaltsort herauszufinden. Sein Vater sagte aus, dass sich zu verschiedenen Gelegenheiten anonyme Personen bei ihnen gemeldet und Todesdrohungen gegen Ahmad Batebi und seine Familie ausgesprochen hätten. Der Vater bat Freunde, Justizbeamte und Gefängnispersonal um Auskunft, jedoch ohne Erfolg. Besorgt um die Sicherheit seines Sohnes hat er nun Menschenrechtsorganisationen eingeschaltet.
amnesty international wendet sich mit einem Briefappell und einer Eil-Petition an die iranischen Behörden und bittet um umgehende Untersuchung des „Verschwindens“ von Ahmad Batebi.
November 2003 Am 17.11. 2003 benachrichtigte der Anklagevertreter Said Mortazavi den Vater von Ahmad Batebi, dass sein Sohn wieder im Gefängnis sei. Kurz darauf erhielt der Vater einen Anruf seines Sohnes, bei dem seine Stimme sehr schwach klang, sodass die Familie bezüglich seines Gesundheitszustandes sehr besorgt ist. Berichten zufolge wurde auch der Vater ca. 1 Std. lang von Said Mortazavi verhört, als er bei der Behörde nach dem Aufenthaltsort seines Sohnes fragte. Er wurde beschuldigt, in das Kidnapping seines eigenen Sohnes verwickelt zu sein und wurde mit Arrest bedroht.
März 2004 Der Vater von Ahmed Batebi berichtete einer iranischen Nachrichtenagentur, dass sein Sohn wegen der Behandlung im Krankenhaus einen Nervenzusammenbruch erlitten habe. Die notwendige Einweisung ins Krankenhaus sei immer wieder erheblich verzögert, bis er die notwendige medizinische Versorgung erfuhr. Ahmed Batebi leidet an an einer Reihe von Gesundheitsbeschwerden, die auf seine Folterungen und Misshandlungen in der Haft zurückzuführen sind.. Er hat einige Zähne verloren, leidet an irreparablen Hörschäden und einer Sehschwäche. war wiederholt an Lungeninfektionen erkrankt und leidet an Atembeschwerden. Aufgrund eines Schlages hat er ein ausgekugeltes Hüftgelenk, das zu einer Lähmung der unteren Extremitäten führen kann. Er leidet an Nierenblutungen sowie an einen Geschwür am Zwölffingerdarm.
März 2005 Ahmed Batebi erhält Hafturlaub, um zu heiraten.. Der Hafturlaub wurde danach verlängert, Batebi kehrte nach Ablauf der Frist jedoch nicht ins Gefängnis zurück.
23. Juni 2005 Ahmed Batebi erklärt in einem Interview mit der „New York Sun, dass er flüchtig sei und sich vor den iranischen Behörden versteckt halte.
28. Juni 2005 Ein Justizsprecher gibt bekannt, dass ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt sei, da er nach seinem Hafturlaub nicht in die Strafanstalt zurückgekehrt sei.
27. Juli.2006 Ahmed Batebi wurde erneut verhaftet. Zivilbeamte des Geheimdienstministeriums nahmen ihn vor seiner Wohnung ohne Angabe von Gründen fest. Seine Wohnung wurde durchsucht, persönliche Gegenstände wurden konfisziert. Bei seiner Festnahme erklärte Batebi, dass er aus Protest gegen diese Behandlung in den Hungerstreik trete .Er wurde an einen unbekannten Ort gebracht (vermutlich das Evin-Gefängnis in Teheran). Wie es heißt, erhält er weder Zugang zu seinen Familienangehörigen noch zu seinem Rechtsanwalt und ist somit in Gefahr, gefoltert oder misshandelt zu werden.
6. August 2006 Die Ehefrau von Ahmed Batebi, Somaie Baiienat schreibt an die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte und gibt an, immer noch über den Aufenthaltsort ihre Mannes im Unklaren gelassen zu werden, sie habe Angst um sein Leben.
Laut einer Pressemeldung teilte der Arzt Dr. Hesam Firouzi, der Batebi außerhalb des Gefängnisses behandelt hatte, den Behörden in einem Brief vom 6.August 2006 mit, dass seinem Patienten eine Querschnittlähmung oder ein Herzinfarkt drohe und weist darauf hin, dass den Gefangenen im Falle eines fortgesetzten Hungerstreiks und ausbleibender Behandlung außerhalb des Gefängnisses das gleiche Schicksal ereilen wird wie Akbar Mohammadi, der am 31.7.2006 in der Haft gestorben ist.
9. August 2006 In einer Eilaktion für Ahmed Batebi ua-215/2006 „Drohende Folter /Hungerstreik“ informiert amnesty international über sein Schicksal und fordert die Öffentlichkeit auf, sich mit Protestbriefen an Regierungsstellen für ihn einzusetzen.
Dezember 2007 Ahmed Batebi ist frei! Nach 9-jähriger Haft wurde Ahmed Batebi freigelassen. In einem Interview beschreibt er, wie die lange Zeit der Haft ihn verändert hat. Hier die Übersetzung des Interviews in voller Länge
Februar 2008 Gottesdienst zur Freilassung von Ahmed Batebi Gemeindemitdlieder der Versöhnungskirche in Detmold hatten sich mit vielen Aktionen für Ahmed Batebi eingesetzt. AMNESTY-Mitglieder informierten die Gemeinde in einem Gottesdienst über seine Freilassung und dankten für das Engagement.
Sommer 2008 Ahmed Batebi entschließt sich zur Flucht aus dem Iran und befindet sich seitdem in den USA. Hier ein Spiegel-Bericht über seine abenteuerliche Flucht. Am 19.09.2008 führte er ein ausführliches Gespräch mit dem Schweizer Journalisten Miklós Gimes, in dem er die unsäglichen Leiden seiner Inhaftierung schildert und die Iran-Politik des Westens kritisiert. Hier finden Sie das Interview.
Quelle: amnesty international
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