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Letzte Aktualisierung
am 25. Oktober 2008

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Wir sind erschüttert: Akbar Mohammadi ist tot

Ein Bericht über seinen Leidensweg in der Haft
 

Juli 1999 Verhaftung
Bei Protestdemonstrationen von Studenten gegen die restriktiven Pressegesetze wird A. M. von Sicherheitskräften im Juli 1999 verhaftet und unter der Gewalt des Geheimdienstministeriums in Isolationshaft gehalten.

Im März 2000 wird er ins Evin-Gefängnis verlegt.
Der Grund für seine Verhaftung könnte die Verbindung zu seinem Bruder Manuchehr sein, der führendes Mitglied in einer Studentenvereinigung ist. Auch Manuchehr wird verhaftet und zu 9 Jahren Haft verurteilt.

September 1999 Todesurteil
In einem Geheimprozess durch ein Revolutionsgericht wird er in einem unfairen Verfahren zum Tode verurteilt

März 2000 Akbar Mohammadi schreibt Protestbrief an Justizminister Sharudi
Darin protestiert er gegen die unmenschlichen Haftbedingungen und die erlittene Folter. Er war in der Haft heftig geschlagen worden, wurde in Handschellen an den Händen aufgehängt und mit Elektrokabeln fast bis zur Bewusstlosigkeit auf die Fußsohlen geschlagen . Man sagte ihm, zum Zeichen eines Geständnisses brauche er nur mit den Augen zu zwinkern.
Sein Gesundheitszustand war sehr schlecht, er hatte unter Anderem Magengeschwüre, Magenblutungen und schwere Nierenprobleme.
Sein Protestbrief wurde in zahlreichen Zeitungen veröffentlicht. Soweit amnesty international bekannt ist, wurden die Foltervorwürfe bisher nicht untersucht.

März 2000 erster Hungerstreik
Aus Protest gegen die Haftbedingungen tritt er in den Hungerstreik. Er leidet an Nierenversagen. Trotz Verordnung der Ärzte erhält er keine Behandlung in einem Krankenhaus.

Juli 2000 Todesurteil wird in 15-jährige Haft umgewandelt
Das Todesurteil wurde vom Religionsführer Ayatollah Sayed Ali Khamenei eine 15-jährige Haftstrafe umgewandelt.

September 2001 Nasrin Mohammadi, Schwester von A.M, flieht nach Europa
Nasrin Mohammadi erhält in Europa politisches Asyl und versucht von dort aus, etwas für ihre inhaftierten Brüder zu tun.

7. November 2001 Akbar Mohammdi beginnt weiteren Hungerstreik.
Berichten zufolge wurde der Hungerstreik von den Gefängnisbehörden gewaltsam abgebrochen.

18.12.2001 Akbar Mohammadi schreibt „an das iranische Volk“
Er berichtet darin, dass man ihn zu einem Geständnis zwingen wollte und fordert einen gerechten Prozess.

Oktober 2002 A. M. erhält kurzen Hafturlaub
Für medizinische Behandlungen wurden ihm im Oktober einige Tage Hafturlaub gewährt.

Juli 2003 Vater und Schwester der Mohammadi-Brüder werden verhaftet
Muhammad Mohammadi, der Vater von Akbar und Manuchehr, reist mit seiner Tochter nach Teheran, um etwas über seine inhaftierten Söhne in Erfahrung zu bringen. Dort angekommen verhaftet man sie, schlägt und bedroht sie. Der Vater wird in Isolationshaft genommen, erleidet dort einen Herzinfarkt. Nach Stellung einer Kaution wird er 3 Tage später entlassen. Seine Tochter wird in Isolationshaft genommen, sie wird jede Nacht stundenlang verhört und nach ihrer Schwester Nasrin befragt. Gegen Zahlung einer Kaution von 10000 Euro wird sie 14 Tage später entlassen.

November 2003 A. M. wird in das Thalegani-Krankenhaus in Teheran verlegt
Wegen innerer Blutungen wird eine Magenoperation durchgeführt. Er wird rund um die Uhr bewacht und darf keinen Besuch empfangen. Obwohl ein Krankenhausarzt empfiehlt, ihn einen Monat stationär zu behandeln, wird er bereits nach 6 Tagen ins Evin-Gefängnis zurückgebracht. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich weiter, da die Magenoperation nicht das gewünschte Ergebnis bringt Er ist nun in extrem schlechter gesundheitlicher Verfassung, erhält keinerlei medizinische Versorgung. Der Antrag der Familie auf Freigang zur weiteren medizinischen Behandlung im Krankenhaus wird abgelehnt.

März 2004 Die Behörden bieten seine Freilassung gegen Kaution an
Den Angehörigen wird mitgeteilt, gegen eine Kaution von 35.000 Euro könne Akbar Mohammadi freigelassen werden. Die Familie kann diese Kautionssumme nicht aufbringen

Juli 2004 Akbar Mohammadi wird freigelassen
Aus gesundheitlichen Gründen wird ihm Haftverschonung gewährt. Nach seiner Freilassung wird er sofort ins Krankenhaus eingeliefert und muss sich drei schweren Operationen unterziehen. In seiner Heimatstadt Amol befindet er sich weiter in medizinischer Behandlung.
Akbar und sein Bruder übermitteln ihre guten Wünsche an die amnesty-Mitglieder, die sich für sie eingesetzt haben. Die Aktionen hätten sie sehr unterstützt und ihren Mut gestärkt.

Juli 2005 A. M. und seine Familie werden bedroht
Berichten zufolge wird A.M von mehreren unbekannten Personen verfolgt, als er mit einem Auto unterwegs ist. Sie zwingen ihn, das Auto in eine Nebenstraße zu fahren und kippen das Auto um. Seine Familie erhält mehrfach Drohbriefe.

11. Juni 2006 Akbar Mohammadi wird wieder inhaftiert
Zwischen 2004 und 2006 wohnte er bei seiner Familie in Amol in Nordiran. Er wird medizinische betreut und schreibt seine Memoiren. Am 11.Juni.2006 wird er wiederum verhaftet und ins Evin-Gefängnis zurückgebracht. Seiner Familie wird nicht erlaubt, ihn zu besuchen. Nach Aussage seines Anwalts befindet er sich in sehr schlechtem Gesundheitszustand und leidet unter starken Schmerzen im Unterbauch. Der Gefängnisarzt hält eine Verlegung ins Krankenhaus zur medizinischen Behandlung für erforderlich.. Während seines Hungerstreiks in der Zeit vom 26.-29.Juli bittet er um medizinische Betreuung, diese wird ihm vom medizinischem Personal verweigert und erhält in dieser Zeit ein unspezifiziertes Medikament.

21. Juli 2006 Erneuter Hungerstreik
Er tritt am 21.Juli wieder in einen Hungerstreik. Einer iranischen Parlamentarier-Delegation, die in dieser Zeit das Evin-Gefängnis besichtigt, wird der Zugang zu dem Trakt verweigert, in dem A.M. sich befindet. In der Zeit zwischen dem 29-30 Juli soll er geknebelt und ans Bett gebunden worden sein, während eine Abordnung von Beamten das Gefängnis besuchte. Er weigert sich, feste oder flüssige Nahrung zu sich zu nehmen.

31. Juli 2006 Akbar Mohammadi stirbt in der Haft
Der Chefankläger von Teheran, Said Mortazawi, soll ihn zusammen mit zwei älteren Gefängnisbeamten und einem Gefängniswärter am 30. Juli inspiziert haben. In dieser Zeit soll er unspezifizierte Medizin erhalten haben. Sein Zustand verschlechtert sich an diesem Tage immer mehr und er stirbt am 31.Juli 2006. Eine Überprüfung der Haftbedingungen durch Beamte ergibt, dass er ein Beruhigungsmittel bekommen hat, das zu Komplikationen geführt und seinen Tod herbeigeführt haben kann.
Obwohl sein Anwalt forderte, dass sein Leichnam von einem unabhängigen Pathologen-Team untersucht werden müsse, wird sein Leichnam am gleichen Tag einem Leichenbeschauer übergeben.

1.8.2006 Angehörige dürfen Leichnam ihre verstorbenen Sohnes nicht sehen.
Als seine Eltern am 1.August nach einem Auslandsaufenthalt am Teheraner Flugplatz ankommen, werden sie direkt in ein Auto gezwungen und nach Amol im Nordiran zurückgebracht. Ihnen wird nicht erlaubt, den Leichnam ihres verstorbenen Sohnes zu sehen. Auch seinem Bruder, der sich noch im Evin-Gefängnis befindet, wird das nicht gestattet. Berichten zufolge soll der Leichnam inzwischen beerdigt worden sein.

EU verlangt von Teheran Aufklärung über den Tod von Akbar Mohammadi PDF-Datei

Dazu die engl. Presseerklärung von amnesty-international.

Quelle:amnesty international